Wenn der Postmann null Mal klingelt

Diese Woche wartete ich auf eine Sendung von Amorebio, meinem Bio-Supermarkt, geliefert von DHL. Da ich nicht das erste Mal auf eine Sendung jener Größenordnung wartete, wusste ich, dass es nur einen Tag dauert, bis mein Paket hier vor Ort sein würde. Also war ich am besagten Tag den ganzen Tag zuhaus, doch niemand klingelte. Stattdessen fand ich um 13 Uhr eine Benachrichtigung im Hausbriefkasten, dass ich die Sendung am nächsten Tag ab 10 Uhr in der nächsten Postbankfiliale abholen könne. What The Fuck?
Es handelt sich bei dieser Lieferung um drei mächtig große und schwere Pakete. Kein Wunder, dass der Bote keine Lust verspürte diese die Treppen hinaufzutragen. Aber nur mal angenommen, ich sei ein älterer Mensch, der es nicht schaffen würde diese Pakete in der Filiale abzuholen – was dann? Tja, das ist dann schon an Dreistigkeit nicht mehr zu unterbieten.
Man begibt sich dann doch zur Filiale und wenn man Pech hat, steht man allerdings vor verschlossener Tür. Denn die Mitarbeiter der Postfilialen, die heute der Postbank oder irgendwelchen Franchisenehmern angehören, treffen sich alle paar Wochen zu einer „Betriebsversammlung“ irgendwo im Ruhrgebiet. Klar doch, dass man dazu die Post einen ganzen Tag dichtmachen muss. „Wir bitten um Verständnis.“
Von Hermes ist bekannt, dass nur zugestellte Sendungen (und seien sie irgendwo bei einem Kiosk abgegeben) bezahlt werden und die schlecht bezahlten Mitarbeiter*/Zusteller unter sehr hohem Druck arbeiten müssen. Nach welchen Kriterien die Deutsche Post AG ihre Mitarbeiter aussucht und bezahlt, weiß ich nicht. Für das bezahlte Porto erwarte ich aber eine Gegenleistung, Motivation und genügend Manpower. Das Management von DHL scheint aber doch eher auf die reine Gewinnmaximierung (Vorstände nennen das „Erfolg“) getrimmt zu sein, nicht auf Menschenführung und soliden Personaleinsatz. So verliert man ganz schnell an Glaubwürdigkeit.
Das gar-nicht-erst-zuzustellen-versucht-Phänomen tritt übrigens nicht nur in Köln auf. Extra3 machte letzte Woche eine hübsche Reportage über DHL. Das Unternehmen, dass zumindest bei Amazon-Sendungen nicht nur auffallend langsam geworden ist, sondern die bezahlte Dienstleistung immer öfter nicht erbringt.
* Mitarbeiter wurden einmal als Menschen wahrgenommen, nicht als reine Kostenfaktoren. Aber das ist lange her.
Auszug aus der Deutsche Post DHL-Pressemitteilung vom 2.8.2011:
„Der Umsatz des Konzerns erreichte im zweiten Quartal 12,8 Milliarden Euro. Um Währungseinflüsse sowie die Effekte der Entkonsolidierung verschiedener abgegebener Unternehmensteile bereinigt, spiegelt dies ein organisches Wachstum um mehr als 700 Millionen Euro im Vorjahresvergleich wider. Damit knüpfte das Unternehmen nahtlos an das zu Beginn des Jahres erzielte Wachstumsniveau an. Beim Ergebnis hat der Konzern das Wachstumstempo sogar noch einmal erhöht: Mit 562 Millionen Euro lag das EBIT im zweiten Quartal um mehr als 300 Millionen Euro über dem Vorjahreswert von 253 Millionen Euro. Hiervon entfielen 471 Millionen Euro auf die DHL-Divisionen, fast viermal so viel wie noch im Vorjahreszeitraum (2010: 122 Millionen Euro).“
Genau, wer daran glaubt, glaubt auch an Zahnfeen. Ach DHL, wir waren doch mal so gute Freunde!
Uwe

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